Geschichten, die das Leben geschrieben haben könnte

#1 von Sonnenstrahl , 22.09.2021 15:48

Gerry und Johanna

Johanna


Mein Fehler war, dass ich als Mädchen geboren wurde, mit dem Nachnamen Wellner, der hier in der Stadt allen gut bekannt ist. Wellner-Schuhe waren sehr beliebt. Sie waren bequem, sie hielten sehr lang und kosteten nicht viel.
Mein Vater ist ein großer Arbeitgeber, einer der größten im Umkreis von 200 Kilometern. Viele der Bewohner arbeiten für ihn, allerdings hagelt es auch Beschwerden. Er sei zu streng, er sei ungerecht und unfair. Als ob ich das nicht wüsste. Aber mein Vater winkt dann immer ab.-Es sei alles nicht so schlimm-. Damit ist der Fall für ihn dann abgeschlossen. Für meinen Vater sehr wohl, aber nicht für mich, denn ich werde als Erste darauf angesprochen. Ich rede mit ihm bzw. versuche mit ihm zu reden, wobei er meistens nicht zuhört oder so Sachen sagt wie oben beschrieben.

Mit meiner Mutter habe ich mich sehr gut verstanden, mit ihr habe ich auch über Papa geredet. Sie fehlt mir sehr, denn jetzt habe ich keinen Ansprechpartner mehr, seit sie von uns gegangen ist. Wir haben zusammen gelacht, wir haben geweint, getanzt und geredet. Unsere Familie saß abends oft beisammen, hat TV geschaut oder einfach nur Spiele gespielt. Das Feuer im Kamin hat geflackert, es war wohlig warm im Wohnzimmer und wir haben miteinander gegessen und getrunken. Heutzutage ist das mit meinem Vater nicht mehr möglich. Es flackert kein Kaminfeuer mehr, wir spielen nicht mehr und das Allerschlimmste ist, dass wir nicht mehr miteinander reden oder lachen können.

Ich bin Einzelkind und fühle mich von meinem Vater vernachlässigt. Nicht in materieller Hinsicht, da ist er sehr großzügig, aber gefühlsmäßig ist er mir so nah wie der Mond der Erde. Unsere Beziehung ist wirklich auf dem Nullpunkt, vor allen Dingen, seitdem er mir diese zwei hässlichen Angebote gemacht hat.

Geschwister habe ich keine und ich bin recht froh darüber, denn sonst müsste ich mich noch um sie kümmern und ich habe doch, weiß Gott, mit mir selbst am meisten zu tun. Vielleicht hätte ich durch sie aber auch Schützenhilfe gegenüber meinem Vater, wer weiß. Ich habe immer gemacht, was er wollte, früher schon. Sei es, dass er wollte, dass ich mich „anständig“ in der Schule anziehe, obwohl ich vielleicht viel lieber eine Jeans und Pulli angezogen hätte. „Anständig“ war bei ihm schwarzer Rock mit weißer Bluse. Laaangweilig! In Gedanken war ich immer auf Konfrontationskurs mit ihm, aber wenn es darauf ankam, zog ich den Kürzeren, weil er immer das letzte und vor allen Dingen das befehlende Wort hatte und noch hat. Wie ich mich zu kleiden habe, wie ich reden sollte und wie ich mich gegenüber Fremden zu verhalten habe.
Mit Gerry fühlte ich mich etwas stärker und sprach auch manche meiner Gedanken meinem Vater gegenüber aus. Es hat aber nicht dazu gereicht, dass ich mich, zumindest einmal, durchsetzen konnte. Leider!


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RE: Geschichten, die das Leben geschrieben haben könnte

#2 von Sonnenstrahl , 22.09.2021 15:50

Deshalb bin ich jedem anderen gegenüber nicht so nachgiebig wie ich es vielleicht sein sollte. Außerdem bekommen es meistens die Menschen ab, die es so gar nicht verdient haben. Ja, ich muss sagen, wenn mir etwas nicht passt, kann es sein, dass ich Feuer spucke und es reicht dazu oftmals eine Kleinigkeit:

Wir waren noch in der Schule, 15 oder 16 Jahre alt. Meine Freundin blieb über Nacht bei uns, ausnahmsweise, weil es meinem Vater zu unhygienisch war, wenn Fremde bei uns zu Haus waren. Meiner Mutter wäre es recht gewesen, wenn jeden Tag Besuch gekommen wäre, sie hatte nichts dagegen. Sie bemutterte jeden gern.
Abends, als es dann Schlafenszeit war, mussten wir die Betten selbst beziehen. Meine Freundin nahm sich die Bettwäsche, die meine Mutter ihr hingelegt hatte und wollte die Bettdecke gerade beziehen, ich schrie sie an: „Die will ich auf meiner Decke haben!“


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RE: Geschichten, die das Leben geschrieben haben könnte

#3 von Sonnenstrahl , 22.09.2021 15:50

Aus allen Wolken fallend meinte sie: „Dann nimm sie doch, ich nehme die andere. Ist doch kein Thema für mich.“. Ich schrie weiter: „Jetzt will ich sie nicht mehr, Du hast sie schon angefasst, die ist jetzt dreckig!“ Meine Mutter, durch die Lautstärke angezogen, kam ins Zimmer und fragte: „Was ist denn hier los? Was macht ihr denn für einen Lärm?“
„Mama, sie nimmt sich einfach die Bettwäsche und will ihre Decke beziehen, und das ist meine. Und sie fasst sie einfach an, igitt,“ erwiderte ich in einem milderen Ton, „und das darf sie nicht! Papa sagt auch immer, dass, wenn Fremde etwas angefasst haben, ich es nicht auch noch anfassen soll, weil das unhygienisch ist. Viel zu viele Bakterien.“ Meine Mutter schüttelte den Kopf und fragte mich: „Bist Du noch ganz bei Sinnen liebe Johanna? Sie ist Deine Freundin, Du lädst sie zu Dir nach Hause ein und gönnst ihr nicht einmal das bisschen Bettwäsche? Und wenn sie sie Dir sogar zurück geben will, nimmst Du sie nicht einmal an. Was ist los mit Dir mein Schatz?“

Wenn meine Mutter so mit mir redet, in einem nicht mehr ganz so lieben und sanften Ton, aber auch nicht lautstark oder schreiend, kann ich wieder runter kommen und wieder ganz normal reagieren, vorher nicht.
„Entschuldige bitte!“ sagte ich zu meiner Freundin mit ganz leiser Stimme und fügte noch hinzu: „Natürlich kannst Du die Bettwäsche benutzen, meine Mutter hat sie extra für Dich hingelegt, bitte nimm sie!“ Meine Freundin nahm die Entschuldigung an.
Die Nacht hatten wir nicht mehr ganz so viel Spaß, wie sich jeder vorstellen kann. Am nächsten Morgen frühstückten wir drei, meine Mama, meine Freundin und ich, zusammen. In die Schule wurden wir von meiner Mutter gefahren, da unser Chauffeur mit meinem Vater unterwegs war. Meine Freundin hat mich nicht mehr bei uns besucht.


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RE: Geschichten, die das Leben geschrieben haben könnte

#4 von Sonnenstrahl , 22.09.2021 15:51

Ich komme gegen meine Wutausbrüche wegen Kleinigkeiten, nicht an. Ich versuche, mich zurückzunehmen, aber es gestaltet sich manchmal als sehr schwierig. Daran muss und werde ich noch arbeiten. Ja, ich bin nicht perfekt.
Gott sei Dank verlangt das keiner, außer meinem Vater. Genau dieser Perfektionismus macht mich wahnsinnig. Bei mir laufen alle Gefühle quer durcheinander. Mal geht es mir gut, mal nicht so gut. Mal fühle ich mich dem Leben gewappnet, mal nicht. Aber ich glaube, das geht jedem so oder so ähnlich.

Ich bin in einem Umweltverein dieser Stadt, in dem ich mich für Menschen, Tiere und Klima einsetze. Es ist kein großer Verein wie „Greenpeace“, eher ein kleiner bescheidener, wenn auch nicht unwichtig.Tierrettung liegt mir am Herzen, denn ich liebe Tiere.Genau so liebe ich die Menschen, auch wenn der Umgang mit ihnen sich manchmal als schwierig erweist. Einige meiner Freunde sind dort auch tätig, also kann ich nicht untätig sein.

Früher hieß ich Johanna, heute heiße ich Johannes. Warum? Das erkläre ich später.
Ich, Johanna, bin in einer Stadt groß geworden, in der sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Ein stilles, geruhsames Städtchen, in dem nicht viel passiert. Ein paar Boutiquen, einige Straßencafés und Kneipen zieren die Innenstadt.

Es gibt einen Stadtsee am Rande des Industriegebiets, wo sich jeden Sommer die Jugend zum Baden trifft. Von Wiesen und Wald umrandet, ist der See recht beschaulich. Es verirren sich keine Touristen dorthin, sodass die Jugendlichen unter sich sind. Außer, wir feiern viel zu heftig und zu laut, mit dröhnender Musik, dass die Bullen, oh sorry, die Polizei auftauchen muss und für Ruhe sorgt.

Im Sommer ist auch im Wald einiges los. Wir haben eine Disco in der Stadt, diese verlagert ihren Sitz aus der Hitze der Stadt, in die Kühle des Walds. Dort kommt die Musik nicht vom Platten-teller, sondern es spielen Live-Bands auf einer Art Bühne, die die Leute schon aufgestellt haben, da war ich noch gar nicht geboren. Früher spielten sie dort auch Theater.


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RE: Geschichten, die das Leben geschrieben haben könnte

#5 von Sonnenstrahl , 22.09.2021 15:52

Aus diesem Waldstück wurden Bäume gefällt, aus denen die Bretter für die Bühne entstanden, inklusive Überdachung und einer kleinen Tanzbühne. Natürlich wird diese auch von den anderen, den älteren Bewohnern des kleinen Städtchens genutzt. Holztische wurden aufgestellt, auf denen heutzutage Papiertischtücher liegen. Früher waren es Kerzen, heute leuchten Teelichter durch das Dunkel der Nacht. Durch die Dämmerung und das Leuchten der Teelichter sieht es so aus, als ob wir eine Verschwörung gegen den Rest der Welt abhielten, dabei waren wir doch nur am essen, trinken, Spaß haben und quatschen. Die Disco sowie die Waldbühne kosten 3,- €, extra gehen Getränke und Essen.

Ich bin 19 Jahre alt, hübsch anzusehen, mit meinem Lächeln, meinen blauen Augen, meiner Stupsnase und den Grübchen im Gesicht. Blond, groß und schlank zudem. Heute am See, habe ich meinen schwarz-roten Minirock, darüber eine dunkelgraue Bluse mit einer roten Lederjacke, angezogen. Komplettiert wird es mit einer schwarzen Netzstrumpfhose und roten Pumps. Ich möchte nicht sagen, dass ich auf die halbjährlich sich wechselnde Mode achte. Ich ziehe genau das an, was mir gefällt.

Auf so einem Waldfest habe ich Gerry kennengelernt. Er, ein Jahr älter als ich, hat das Abitur ein Jahr vor mir gemacht. Ich wollte gerade meinen Eintritt bezahlen, da bemerkte ich, dass ich kein Geld dabei hatte. „Kein Geld,“, dachte ich, „kann doch gar nicht sein. Ich habe es doch zuhause eingesteckt.“ Zurück wollte ich nach Hause, mein vermeintlich liegen gelassenes Geld holen, da fragte mich Gerry: „Ist etwas?“ Ich erzählte ihm, dass ich nach Hause wolle, um nach dem Geld zu schauen. Er meinte nur: „Bleib doch, ich bezahle!“ Da ich ihn von der Schule her kenne, sagte ich ihm, dass das okay ginge, wenn ich es ihm am nächsten Tag zurück geben könne. Er meinte, das sei
in Ordnung und so waren wir dann gemeinsam auf dem Fest. Er lud mich immer ein, ob ich Hunger hatte oder Durst. Als es spät am Abend war, wollte ich nach Hause, doch Gerry machte mir noch einen anderen Vorschlag: „Lass uns doch noch ein bisschen durch das Städtchen spazieren gehen, jetzt haben wir es fast für uns allein. Was hältst Du davon?“ Ich wollte nicht mehr, weil ich müde war und schlafen wollte, aber ich schlug ihm ein Treffen am nächsten Abend vor und er sagte zu.
Ich gab ihm dann das Geld zurück, das er für mich ausgelegt hatte und es gab noch viele, viele Treffen.


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RE: Geschichten, die das Leben geschrieben haben könnte

#6 von Sonnenstrahl , 22.09.2021 15:54

Gerry und Johanna

„Möchtest Du meine Freundin sein Johanna?“ Ich sagte: “Ja, ich möchte!“ Meine innere Stimme warnte mich allerdings immer wieder: „Sei auf der Hut! Etwas stimmt nicht!“

Was mich mit der Zeit stutzig machte, war, dass er auch mit anderen Mädchen loszog, mit ihnen essen ging, mit ihnen quatschte, lachte und scherzte. Gerry benahm sich in deren Gesellschaft ziemlich mädchenhaft, ab und zu zickig, ab und zu war er beleidigt und zog sich zurück. Nicht nur vor den anderen, sondern ganz besonders vor mir. Wenn ich ihn fragte, was los sei, so antwortete er mir mit „Nichts!“
Ich fragte mich, ob er schwul sei oder in einem falschen Körper stecke. Dieses Gefühl von Unsicherheit ließ mich nicht mehr los. Es rumorte immer in mir. Ich hielt es schließlich nicht mehr aus und stellte ihn zur Rede, ein allerletztes Mal: „Wenn Du mir nicht sagst, was los ist, bleibt mir keine andere Wahl als unsere Beziehung zu beenden! Auf diese Spielchen habe ich keinen Bock mehr!“
„Welche Spielchen?“ fragte er. Diese Beziehung hatte keinen Sinn mehr, also beendete ich sie und wir gingen schließlich getrennte Wege.
Natürlich hat die Trennung Spuren hinterlassen.


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RE: Geschichten, die das Leben geschrieben haben könnte

#7 von Sonnenstrahl , 23.09.2021 13:14

Auf der einen Seite ist der Schmerz, auf der anderen die Erleichterung. Denn so, wie die Beziehung lief, konnte sie nicht weiter laufen. Irgendwann wäre ich daran kaputt gegangen. „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende!“ Ich habe Gerry nicht mehr gesehen.

„Jung, ledig, hübsch... sucht Mann...“ Nein, eine Annonce in der Regionalzeitung war nichts für mich. Außerdem hatte ich an unserem Beziehungsende noch sehr zu knabbern, auch nach den Jahren. Gerry geistert mir immer wieder durch meinen Kopf, aber statt von ihm zu träumen, sollte ich mich meiner Stärken besinnen. Ich analysierte mich ein wenig. Was sind meine Stärken? Zuverlässigkeit bescheinigen mir meine Freunde, auch Hilfsbereitschaft und Ehrlichkeit. Zuversicht in die Zukunft und auch Lebensfreude. „Na, das sind doch mal gute Charaktereigenschaften,“ dachte ich, „mit denen sollte ich doch etwas anfangen können.“

Ich erinnere mich allerdings auch an meine Schwächen, dazu gehören Durchhaltevermögen. Ich meine, wenn ich etwas anfange, dass ich es auch bis zum Ende durchziehe. Ich koche für mein Leben gern, aber die Küche aufräumen und abwaschen durfte Gerry, wenn wir zusammen waren. Oder Wäsche wasche ich gern, das Aufhängen, Falten und Bügeln der trockenen Wäsche überließ ich liebend gern Gerry. Oder... oder... oder... Schon wieder drifte ich ab zu ihm. „Zurück in die Gegenwart!“, sagte ich zu mir. „Hier spielt die Musik!“ Ja, das war auch eine Schwäche von mir; Tagträumen von Gerry. Was da Abhilfe schafft? Ich hoffe, ein klares Ziel vor Augen.


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RE: Geschichten, die das Leben geschrieben haben könnte

#8 von Sonnenstrahl , 23.09.2021 13:14

Johannes

Inzwischen bin ich 27 Jahre alt und heiße Johannes, genannt Jo. Gezwungenermaßen bin ich zum Mann geworden. Warum gezwungenermaßen? Das ist eine sehr lange Geschichte. Folgendes habe ich dazu zu sagen:

Mein Vater rief mich an, als ich 22 Jahre alt war, und zitierte mich in sein Büro. Er ist ein stattlicher Mann, 63 Jahre alt und Respekt einflößend. Er ist Besitzer einer Fabrik, die Schuhe herstellt. Meine Eltern haben sich diese aufgebaut. Meine Mutter ist leider schon verstorben und mein Vater hat sich nicht so sehr um mich gekümmert, was ich sehr schade fand, aber trotzdem meiner Liebe zu ihm keinen Abbruch tut.


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RE: Geschichten, die das Leben geschrieben haben könnte

#9 von Sonnenstrahl , 23.09.2021 13:16

Das erste Angebot

Im Büro angekommen, verkündete mein Vater: „So, meine Tochter, Du willst die Firma übernehmen, zwar nicht jetzt, aber später einmal. Ich habe allerdings eine kleine Bedingung. Ein erstes Angebot von mir. Um diese Firma zu leiten, wirst Du Dich einer Geschlechtsumwandlung unterziehen. Du weißt, dass Deine Mutter und ich uns immer einen Sohn gewünscht haben. Unterziehst Du Dich der Geschlechtsumwandlung nicht, wird diese Firma für Dich für immer tabu sein. Verstehst Du mich?“
Entgeistert sah ich ihn an: „Das meinst Du doch nicht ernst?“ „Und ob!“ meinte mein Vater zu mir. Er meinte es wirklich sehr ernst, denn als ich ihm sagte: „Das werde ich niemals in meinem Leben machen, da kannst Du Dich auf den Kopf stellen und mit den Füßen wackeln!, antwortete er mir gefährlich leise: „Dann, mein Kind, werde ich Dich enterben! Und damit ist das letzte Wort gesprochen! Zumindest für mich.“ Ich entgegnete ihm wütend: „Dann enterbe mich doch! Du wirst schon sehen, was Du davon hast! Du hast doch sonst keinen, der die Firma später weiterführt!“

Ich rannte aus seinem Büro hinaus ins Sekretariat, wo mich die Sekretärin fragte: „Kann ich etwas für Sie tun? Geht es Ihnen nicht gut?“ Ich schüttelte nur den Kopf und zeigte mit dem Finger in Richtung Büro. „Ach so, Ihr Vater ist wieder grob zu Ihnen geworden?


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RE: Geschichten, die das Leben geschrieben haben könnte

#10 von Sonnenstrahl , 23.09.2021 13:16

Machen Sie sich nichts draus, er meint es nicht so!“ Niemand kennt meinen Vater so sehr wie ich.
Ich weiß, wie verletzend und verbohrt er sein kann. Und wenn ER eine Meinung hat, bleibt ER auch dabei.

Ich bin zwar erwachsen und habe meine eigene, aber gegen meinen Vater komme ich nicht an, das war schon immer so. Allerdings diesmal will ich mich dagegen stellen und stemmen. Und zwar mit voller Kraft. Also ging ich wieder zurück ins Büro, sagte zu meinem Vater: „Weißt Du was? Du kannst mich mal! Ich werde in eine andere Stadt ziehen und dort Karriere machen, das sage ich Dir. Und Du kannst Dir jemanden suchen, der für Dich später die Firma leitet! Ich hoffe, dass Du niemanden findest!“ „So kannst Du nicht mit Deinem Vater reden!“ wetterte er und ich erwiderte ihm: „Genau so rede ich mit Dir! Ich bin erwachsen und mache, was ich will! Hast Du jemals gefragt, was ich möchte, was ich will? Nein, hast Du nicht! Weil es Dich nicht interessiert! Wo warst Du als ich noch klein war? Wo warst Du als ich Jugendlicher war? Wo bist Du jetzt, da ich erwachsen bin? Nirgends! Nicht ein Wort des Stolzes kommt von Dir, wie ich mein Leben bisher gemeistert habe, nicht ein Wort des Trostes hast Du für mich gehabt als ich mich von Gerry getrennt habe, nicht ein liebes Wort für mich! Danke für Nichts lieber Vater! Immer nur die Firma war wichtig und ist sie noch!“ Ich war so wütend auf ihn, ich musste jetzt alles los werden, was ich los werden wollte.


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