Wem gehört das Internet?

#1 von Sonnenstrahl , 30.09.2021 13:24

Jura kurios: Wem gehört eigentlich das Internet?

Wir nutzen es alle - doch wer ist der Eigentümer des Internets? Oder anders gefragt: Wer hat die Macht, das WWW abzuschalten? Eine wichtige Rolle spielt in jedem Fall die amerikanische Behörde Icann. Trotzdem ist die Antwort nicht ganz so einfach.
08.01.2011, 13.54 Uhr

Netzwerkkabel: Die ganze Welt zu Hause

Netzwerkkabel: Die ganze Welt zu Hause Foto: Martin Gerten/ dpa

Hamburg - Besitzverhältnisse können manchmal kompliziert sein. Eine Leiche gehört nicht zwangsläufig den Erben, der Nachlass Adolf Hitlers ist Eigentum des Freistaats Bayern, und die eigene Telefonnummer kann man mitnichten verkaufen (siehe Kasten links). Aber wie ist das eigentlich mit dem WWW: Wem gehört das Internet?

Niemandem

Richtig bzw. am ehesten richtig. Das Internet als Ganzes gehört niemandem, auch wenn einzelne Teile bestimmten Unternehmen gehören. Hier finden Sie weitere Informationen zum Internet.

Der amerikanischen Icann

Falsch. Die Icann (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) ist die amerikanische Behörde, die die Registrierung von Domainnamen vornimmt. Sie ist zum Beispiel zuständig für Domains mit den Endungen .com, .net, .org und .info. Weil Domains aber nur ein Teil des Internets sind, kann man nicht sagen, dass das Internet der Icann gehört. Hier lesen Sie, wem das Internet wirklich gehört.

Den Vereinigten Staaten von Amerika

Falsch. Das Internet wurde zwar in den USA erfunden, und der amerikanischen Regierung wird immer wieder vorgeworfen, dass sie über die Icann Einfluss auf die Regeln des Internet ausübt. Es gehört ihr aber nicht. Hier erfahren Sie, wem das Internet gehört.

Den Internetnutzern

Falsch. Nur weil die Internetsurfer das Internet nutzen dürfen, heißt das natürlich noch lange nicht, dass es ihnen gehört. Hier lesen Sie, wem das Internet wirklich gehört.

Die Erklärung:

Das Internet hat seine Wurzeln im militärischen und universitären Bereich. Die USA wollten zu Zeiten des Kalten Krieges ein System entwickeln, das auch dann noch funktioniert, wenn die Zentrale ausgeschaltet wird. So entstand die Idee des dezentralen Netzes. Da durch das Internet viele Rechner miteinander verbunden sind, bahnt sich eine Nachricht auch dann einen Weg, wenn ein Rechner einmal ausfällt. Das ist auch der Grund, warum von zwei E-Mails die später abgesandte den Empfänger früher erreichen kann. Die erste hat dann einfach einen längeren Weg genommen.

Ein Teil des Internet ist das World Wide Web (WWW). Dieses WWW ging 1991 über das Cern in Genf ans Netz. Das WWW besteht aus ganz vielen Teilen. Die Telefonnetze sind ein Teil davon, weil durch diese Leitungen die Daten verschickt werden. Dieser Teil der Internet-Infrastruktur gehört also den Telekommunikationskonzernen. Ein weiterer Teil, nämlich die Server, über welche die Daten weitergeleitet werden, gehört anderen Unternehmen oder Universitäten.

Die Inhalte des gesamten Internets wiederum werden unter bestimmten Nummern (IP-Adressen) hinterlegt. Damit man nicht immer zehnstellige Nummern der IP-Adressen in seinen Browser eingeben muss, wurden für das WWW die Domainnamen erfunden (zum Beispiel spiegel.de).

Die Daten, die die Benutzer über das Internet von den Seiten abrufen können, sind auf großen Computern gespeichert. Dieser Speicherplatz (Webspace) wird in der Regel von Dienstleistern vermietet.

Das beantwortet also schon einen Teil der Frage. "Das" Internet gibt es gar nicht. Es ist ein Sammelbegriff für ein dezentrales System, bei dem man von einem beliebigen Ort auf Daten zugreifen kann. Dass das Internet insgesamt nicht jemand Bestimmtem gehört, zeigt sich daran, dass niemand die Macht hat, das Internet sofort "abzustellen". Und das ist ja auch gerade die Idee, die dahinter steht. Man muss sich also fragen, wem die einzelnen Teile des Internet gehören, also zum Beispiel die Domain oder der Webspace (dem Dienstleister, der Eigentümer der Festplatten ist).

Die Inhalte auf den Internetseiten (Bilder, Texte, Musik) hingegen gehören den Urhebern dieser Werke oder den Website-Betreibern - oder auch anderen Rechteinhabern.

Quelle: Spiegel Wirtschaft


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