MPS/DIS

#1 von Sonnenstrahl , 06.05.2011 11:53

MPS: Multiple Persönlichkeits Störung

Nicht mehr gebräuchlicher Ausdruck für den Ausdruck DIS: Dissoziative Identitäts Störung

Zunächst einmal kann der Mechanismus der dissoziativen Unterbrechung von Nervenverbindungen im Gehirn erklären, dass voneinander unabhängige "parallele" Vorgänge in verschiedenen Gehirnteilen und -arten stattfinden können, die wenig voneinander wissen. Die Dissoziation kann im Prinzip auch die oftmals beobachtete Amnesie (Nichtwissen) zwischen verschiedenen Persönlichkeiten erklären. Das charakteristische spontane und oftmals wiederholte "Umschalten" zwischen verschiedenen Persönlichkeiten ("wechselseitiger Ausschluss") ist damit alleine aber nicht ausreichend erklärbar. Ebenso wird das bekannte Phänomen der Co-Bewusstheit damit nicht ausreichend erklärt.

Wie man aus der Lernforschung weiß, arbeiten die menschlichen Gedächtnisse zustandsabhängig. Wer z.B. während entspannender Hintergrundmusik lernt, wird später unter Prüfungsstress Schwierigkeiten haben, das Gelernte wieder abzurufen. Dies liegt daran, dass nicht nur das Gelernte abgespeichert wird, sondern auch die damit verbundenen Gefühle und Einstellungen. Ein assoziativer (= vernetzter) Abruf klappt um so besser, je näher das aktuelle Grundgefühl am Gefühl während des Lernvorgangs liegt. Das Interessante an diesem Mechanismus ist, dass etwas scheinbar total Vergessenes in einem anderen Gefühls-Zustand auf einmal doch wieder abrufbar sein kann. Dies geht im Prinzip allen Menschen so.

Man vermutet, dass das Umschalten zwischen Persönlichkeiten mit solchen Änderungen der Grundeinstellung zu tun haben, die dazu führen, dass andere Hirnregionen aktiv werden. Ähnliche Vorgänge finden auch bei (dissoziativer) Trance statt, wenn man beispielsweise per Regression in seine Kindheit zurück geht. Prinzipiell ist dazu jeder Mensch in der Lage. Bei dissoziativer Trance (und vermutlich auch bei DIS) klappt dies jedoch von "alleine", ohne dass eine Trance-Induktion von außen notwendig ist. Die Dissoziation scheint spontane Zustandswechsel auslösen zu können oder zumindest zu begünstigen.

Das genaue Zusammenspiel zwischen dissoziativen Trennungen von Nervenverbindungen und Zustandswechseln bzw. Aktivierung unterschiedlicher Hirnregionen ist noch nicht geklärt. Auf jeden Fall kann das Kombi-Modell aus zwei jeweils experimentell abgesicherten und nachgewiesenen Phänomenen die scheinbar widersprüchlichen Beobachtungen erklären: einerseits fast vollständig wechselseitig amnestische Persönlichkeiten, andererseits co-bewusste Persönlichkeiten, und gelegentlich die "Verschmelzung" bzw. Re-Integration von Persönlichkeiten (die auch schon außerhalb therapeutischer Beeinflussung berichtet wurde).


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